Die wundersame Welt hinter der Werbung
Ein witziges Comedyformat für TV und Internet.
Jeder kennt sie, keiner liebt sie: Die Fernsehwerbung. Von superkreativen Werbefuzzis erdacht und von der Industrie bezahlt prasseln die 30-sekündigen Produktinformationsfilmchen tagtäglich auf uns ein. 30 Sekunden! Nicht erst seit Rosamunde Pilcher wissen wir, das dies natürlich viel zu kurz ist um eine Geschichte zu erzählen. Diesen Misstand behebt „Faking Off“ und erzählt die Geschichten hinter der Werbung – kurios, dramatisch oder stockbieder. Das Werbefenster eröffnet uns Geschichten im 30-Sekunden-Takt: „Faking Off“ springt durch dieses Fenster und nimmt Dich mit. Hier ein Beispiel:
Cortal Consors
Was zeigt uns diese Werbung? Nun (ein extrem sophisticated klingender Beginn einer Antwort!), wir sehen einen Mann, der scheinbar auf einem Fernsehturm oder einem ähnlich hohen Gebäude steht. Neben ihm steht eine Frau, die den Ausblick genießt und dabei Stellen in einem Buch mit einem Filzschreiber markiert. Der Mann faltet einen Geldschein und fragt die Frau, ob sie das schon einmal gemacht habe. Irritiert reagiert sie mit der Frage „Ich?“. Daraufhin wieder er „Ist ganz einfach. Nehmen Sie Ihr Geld in die eigene Hand!“ Ein Mike-Krüger-Gedächtnisblick in die Kamera, Geld einstecken, Call to Action und wir sind raus.
Diese 30 Sekunden aus dem Leben des Protagonisten werfen allerhand Fragen auf: Was treibt diesen Mann auf einen Fernsehturm? Was macht die Frau dort? Welches Buch liest sie? Was will der Mann der Frau eigentlich sagen? Was bedeutet sein letzter Blick?
„Faking Off“ enthüllt die ganze Geschichte (Die Vorgeschichten werden anhand einiger prägnanter Fotos mit Off-Text erzählt): Wie an jedem Tag, der mit einem D beginnt, steht Bettina Spitz auf der Aussichtsplattform des Berliner Fernsehturms. Angelockt von der Vorstellung erotischer Großstadtabenteuer war die gelernte Heizungsinstallateurin vor drei Jahren aus der Uckermark in die Metropole gezogen. Und was war geschehen? Nüschts. Niente. Nada. Sie hatte sich extra eine dieser Stylo-Tippsen-Brillen gekauft. Ohne Erfolg. Nun nutzte sie ihre Dauerkarte für den Fernsehturm dazu, hier oben herumzustehen und mit einem Filzstift alle Stellen in „Shades of Grey“ zu schwärzen, deren Verwirklichung sie sich vergeblich erträumte.
Bei dem Mann handelt es ich um Winnfried Schmitzt. Seit Tagen hat er nicht geschlafen, denn er hat bei einem eigentlich 100% sicheren Optionsgeschäft von Solarien für den Irak nicht nur seine eigene Zukunft sondern auch die seiner Familie inkl. der des Golden Retrievers aufs Spiel gesetzt und verloren. An diesem tristen Novembermorgen besucht er den Fernsehturm wegen der guten Aussicht. Der Aussicht auf einen zuverlässigen, aufmerksamkeitsstarken Selbstmord. „Die werden sich wundern, die verdammten Iraker, sein 100% Anlageberater – und die vom Golden Retriever Club auch!“ dacht er sich, kramte dabei in seinen Hosentaschen und wunderte sich seinerseits, dort einen 50-Euro-Schein zu finden.
(Hier steigen wir in die Werbespot-Handlung ein) 50 Euro, das ist alles was von seinem Leben übrig war. Was kann er damit anstellen. Neben im steht eine Frau, die ein Buch schwarz anmalt. Ihr Gesicht ist von ihren Haaren verdeckt, aber sie trägt eine dieser Brillen, von denen er wusste, dass sie von leicht zu habenden Schreibpersonal bevorzugt werden. Ob sie vielleicht ein letztes Mal mit ihm …? Demonstrativ den Geldschein faltend nimmt er sich ein Herz und fragte, ob sie es schon einmal gemacht habe. Als sie ihm hoffnungsvoll „Ich?“ fragend ihr Gesicht zuwendet, überlegt es sich Winnfried schnell anders und improvisiert gekonnt einen grenzdebilen Monolog über die Einfachheit das Geld in die eigene Hand zu nehmen. „Mein Gott was bin ich für ein gewitzter Typ!“ denkt er selbstzufrieden in die Kamera stierend. Und da kommt ihm noch eine genialere Idee, quasi das Sahnehäubchen auf seiner Suizidtorte. „Die werden sich wirklich wundern!“ denkt er abermals und steckt sich, genüßlich seine eigene Obduktion ausmalend, den Geldschein in den Hintern.